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Abbruch | 25.05.2014

 

Bericht von Stefan Nestler | Blog Abenteuer Sport Deutsche Welle

 

Ralf Dujmovits ärgert sich. Mehr über sich selbst als über die Tatsache, dass der Traum geplatzt ist, doch noch den Mount Everest ohne Flaschensauerstoff zu besteigen. Auf 8300 Metern entschloss sich Deutschlands erfolgreichster Höhenbergsteiger, umzukehren und gar nicht erst zu versuchen, den 8850 Meter hohen Gipfel heute zu erreichen. „Ich habe mich dumm angestellt“, sagt mir Ralf, als er mich aus Lager 2 auf 7700 Metern über Satellitentelefon anruft. „Ich habe einen Doppelfehler gemacht.“

Helfer weggeschickt

Fehler eins sei gewesen, nach einer Weile die Sherpas aus dem Team des Schweizers Kari Kobler wegzuschicken, die ihm dabei geholfen hatten, die Plattform für sein Zelt herzurichten. „Ich wollte sie nicht länger bemühen und habe die Sache alleine zu Ende gebracht“, erzählt der 52-Jährige. „Danach war ich richtig schlapp und habe gedacht: Lass‘ gut sein! Ich hatte im Zelt zu wenig ebene Fläche, um vernünftig meinen Kocher zu platzieren.“

Alles nass

Fehler zwei: Es gelang Ralf nicht, ausreichend Schnee zu schmelzen. „Ich habe gerade mal einen halben Liter zusammenbekommen.“ Wegen des Windes, der mit etwa 50 Stundenkilometern blies, habe sich an seinem kleinen, einwandigen Zelt jede Menge Raureif gesammelt, der geschmolzen und heruntergetropft sei. „Der Raureif hat mich brutal gestört. Überall hat es hingetropft. Meine Daunenjacke, mein Schlafsack, meine Innenschuhe, das Feuerzeug, alles wurde nass. Ich habe die Flamme des Kochers gar nicht mehr anbekommen.“ Der Entschluss, nicht auf- sondern abzusteigen, sei bereits am Samstagabend gefallen. Er habe sich einfach nicht ausreichend erholen können.

Falsches Zelt

Es wäre besser gewesen, das größere Zelt von Lager 2 mitzunehmen, räumt Ralf ein. „Aber hinterher ist man immer schlauer. Eigentlich hatte sich das kleine, leichte, einwandige Zelt am Mount McKinley und am Aconcagua bewährt. Ich hätte nicht gedacht, dass sich an der Innenseite so viel Raureif bildet.“ Ralf will noch heute bis zum vorgeschobenen Basislager auf 6400 Metern absteigen.

Hauptsache gesund!

Dujmovits hatte zwischen 1990 und 2009 als erster und bislang auch einziger Deutscher alle 14 Achttausender bestiegen. Lediglich 1992 am Mount Everest hatte er auf der Gipfeletappe zu Flaschensauerstoff gegriffen. Diese Scharte hätte Ralf gerne noch ausgewetzt. Doch nach dem nun gescheiterten fünften Versuch hat er die Nase voll. „Das Thema Everest ist für mich abgeschlossen“, sagt Ralf. „Es hätte mich irrsinnig gefreut, es noch zu schaffen. Aber es hat nicht sollen sein.“ Die Hauptsache sei, dass er in all den Jahren immer wieder gesund zurückgekehrt sei. Recht hat er.



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